Geschichte der Russlanddeutschen

Auswanderung der Deutschen

Teil III 1917 - 1955

1. Die Oktoberrevolution und ihre Auswirkungen auf die Russlanddeutschen

1.3 Das Dekret über den Frieden und die Russlanddeutschen

Das Dekret sollte die Bereitschaft Russlands gegenüber seinen Kriegsgegnern zum sofortigen Frieden ohne Kontributionen und Annexionen signalisieren.

Es entsprach nach drei Jahren Krieg der allgemeinen Friedenssehnsucht, auch der Russlanddeutschen.

Die Umsetzung erfolgte durch sofortige Aufnahme von Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen Sowjetrusslands (die bisherigen Verbündeten England und Frankreich lehnten sie ab) mit Deutschland. Die Verhandlungen mit Deutschland führten am 3. März 1918 zum Separatfrieden von Brest-Litowsk.

Obzwar ein Diktatfrieden für Sowjetrussland, wurde damit eine zentrale Forderung der Revolution eingelöst. Zugleich war er aus militärischen Gründen dringend notwendig. Die russische Armee befand sich in einem Zustand der Auflösung.

Durch den Frieden von Brest-Litowsk konnten die Bolschewiki zwar ihre Macht im Land festigen, gleichzeitig verlor Sowjetrussland aber ein Territorium, auf dem 34 Prozent der Gesamtbevölkerung Russlands lebten. 54 Prozent der Industrie und 90 Prozent der Kohlevorkommen sowie bedeutende Ölquellen und wichtige Getreideanbaugebiete in der Ukraine gingen verloren.

In den Ergänzungsverträgen zum Brester Frieden vom 27. August 1918 wurde Sowjetrussland zusätzlich zur Zahlung von sechs Milliarden Mark verpflichtet.

Ein gesondertes Kapitel des Deutsch-Russischen Zusatzvertrages zum Friedensvertrag galt der Fürsorge für Rückwanderer. Die deutsche Seite verstand darunter auch russlanddeutsche Siedler.

Die Artikel 21 und 22 des ebenfalls am 3.März 1918 abgeschlossenen Zusatzvertrages besagten, dass innerhalb von zehn Jahren nach Ratifizierung des Friedensvertrages Personen aus ihrem bisherigen Staatsverband ausscheiden und in das Land, aus dem sie stammen, zurückkehren konnten. Ferner sollten die Rückwanderer für die im Krieg erlittenen Verluste entschädigt werden, ihr Vermögen bei der Auswanderung veräußern und den Erlös mitnehmen dürfen. Diese Bestimmung lag von deutscher Seite unter anderem die Absicht zugrunde, von nationalistischen Kreisen bereits vor dem Krieg entworfene Pläne zur Besiedlung der großen adligen Ländereien in den baltischen Provinzen mit starken "osterfahrenen deutschen Bauernkontingenten" doch noch umzusetzen.

Nach der deutschen Novemberrevolution annullierte die Sowjetregierung die Brester Verträge am 13. November 1918. Wie viele Russlanddeutsche in der sehr kurzen Zeit zwischen Unterzeichnung und Annullierung der Regelungen Gebrauch von der Möglichkeit zur Auswanderung link nach Deutschland machten, ist nicht bekannt. Es sollen etwa 120.000 Russlanddeutsche während der Revolution, des Bürgerkrieges und der deutschen Besetzung der Ukraine nach Deutschland ausgewandert sein. Von diesen Auswanderern ging etwa die Hälfte nach Nord- und Südamerika.
 
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