Geschichte der Russlanddeutschen

Auswanderung der Deutschen

Teil III 1917 - 1955

2 Russlanddeutsche in der Sowjetunion der 20er Jahre

2.4 Im Kampf gegen den Hunger

2.4.2 Aktivitäten der autonomen Gebietsorgane

2.4.2.2 Die Evakuierung von hungernden Kindern

Die Evakuierung von Kindern, unter ihnen viele Waisen, aus dem Wolgagebiet in reichere deutsche Kolonien war angesichts des vom Bürgerkrieg stark betroffenen Transportwesens eine gewagte, aus der Verzweiflung geborene Maßnahme.

Vom Gebietsexekutivkomitee initiiert erfolgte im Herbst 1921 die Evakuierung von 1 000 Kindern in das Gouvernement Odessa. Ihre Unterbringung, Versorgung und Aufnahme in Schulen wurde mit Unterstützung der deutschen Sektion der KPR (B) des Gebietes Odessa realisiert. Diese hatte – wie andere auch – eine spezielle Hilfskommission für die Hungernden an der Wolga gebildet.

Von den 1 000 evakuierten Kindern blieben 103 in Odessa, 897 fanden bei Kolonistenfamilien in den Kreisen Tiraspol und Wosnessensk Aufnahme. Nicht immer waren die Kolonisten bereit, freiwillig einen zusätzlichen Esser aufzunehmen. Auch Südrussland hatte unter Dürrefolgen zu leiden. Wegen der "kritischen Lage der deutschen Kinder von der Wolga" mussten auch im Gouvernement Odessa mit internationaler Hilfe Speisehallen eingerichtet werden.

Im Mai 1922 leiteten die Marxstädter Behörden die Rückholung der Kinder ein.
 
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